Interview BfB mit Frau Monika Kammeier

Frage: Warum ist der Untersee für Bielefeld so wichtig?Nachgefragt: Ist Bielefeld nicht schon mit Natur reichlich genug gesegnet. Warum kann man die Johannisbachaue nicht belassen, wie sie ist?

Interview mit Frau Monika Kammeier

wahrlich, in Bielefeld gibt es mehr Dauerthemen, als eine Hand Finger hat: A 33, Schulbausanierung wie Schulkonzeptionen, Liniennetz der Bahn, Kanalsanierungen, Schuldenabbau und und und. Ein Thema hält aber unbestritten den Rekord als d e r Dauerbrenner schlechthin: der Untersee.
Und immer (noch) gibt es engagierte Bürger, die an dieser Thematik festhalten. Neben einer Initiative die mittels Bügerbeteiligung „Mein See für Bielefeld“ umsetzen wollen, setzt sich der Verein pro Untersee e.V. bereits seit 17 Jahren für die Fertigstellung des Gesamtkonzeptes Ober- mit Untersee in Schildesche ein. Mit der 1.Vorsitzenden, Frau Monika Kammeier, sprach BfB heute.

Frage: Woher rührt – nach so vielen Jahren und so vielen Bemühungen – Ihr beharrliches Engagement?
Weil die Mehrheit der Bielefelder Bürger einen schönen großen Freizeitsee für Sport und Erholung vor Ort vermissen. Die topografische Lage der Johannisbach-Aue ist für so einen See in Bielefeld einzigartig und ideal dafür geeignet. Uns kommt immer wieder zu Ohren „Bielefeld ist zwar schön grün, aber es fehlt das Wasser!“

Frage: Warum ist der Untersee für Bielefeld so wichtig?
Ich bin fest davon überzeugt, dass die Erweiterung des Naherholungsgebietes in Fortführung des Obersees für die Gesamtstadt Bielefeld einen deutlichen Attraktivitätsgewinn mit sich bringt. Menschen suchen die Nähe zum Wasser. Es geht um unsere Zukunft als Großstadt. Wir stehen im Wettbewerb um Familien, Fachkräfte und innovative Unternehmen. Zu einer Großstadt mit reizvollem Flair, gehört neben Hochschul-Campus und guter Infrastruktur, auch ein breites Freizeitangebot.

Nachgefragt: Ist Bielefeld nicht schon mit Natur reichlich genug gesegnet. Warum kann man die Johannisbachaue nicht belassen, wie sie ist?
Die Stadt Bielefeld hat bereits ca. 20. Mio. Euro in die Entwicklung der Aue investiert. Für diese Summe wurden Grundstücke und Gebäude gekauft, sowie Gutachten und Planungen in Auftrag gegeben, mit dem Ziel den Untersee zu bauen. Für die bereits investierten Steuergelder gilt es, einen adäquaten Mehrwert für Mensch und Natur gleichermaßen umzusetzen.

Frage: Bekanntlich haben die Lipper den Schotten den Umgang mit Geld beigebracht, wie ist denn ein solcher Untersee zu finanzieren? Passt ein solcher See in die (notwendigen) Sparbemühungen unserer Stadt?
Ach, im Bielefelder Kernhaushalt wird jährlich über 1.000 Millionen Euro bewegt. Sicherlich völlig zu Recht wird hier seit Jahren in Gebäude, Plätze und Kanäle investiert. Nun ist es an der Zeit, dass man auch mal an die Menschen denken sollte. Nur die Gewerbesteuer-Mehreinnahmen von 26,5 Mio. Euro im Jahr 2012 im Vergleich zu 2010 würden ausreichen, um den Freizeitsee zu bauen. Und wer sagt denn, dass die Kommune alleine die Summe aufbringen müsste. Theater- und Kesselbrink-Sanierung oder über 2.000 Mio. Euro Invest am Hochschul-Campus, sind mit einer Bausteinfinanzierung weiterer Geldgeber möglich geworden. Die finanzielle Situation ist lösbar, interessierte Investoren sind vorhanden. Mit einer Investition von 2 bis 3 % vom städtischen Haushalt, sind langfristig positive Effekte für den Wirtschaftsstandort Bielefeld zu heben. Das Untersee-Projekt wäre eine zukunftsweisende Investition, im Einklang mit der Natur ein Gewinn für die Stadt und ihre Menschen.


Frage: Finden Sie genug Unterstützung oder fühlen Sie sich allein auf weiter Flur?
Ja, es ist der gefühlte Kampf gegen Windmühlen. Viel Optimismus und Elan ist schon notwendig. Wenn den vielen gut gemeinten Worten auch ebenso viele Taten folgen würden, wären wir heute schon weiter.

Schlussfrage: Wird der Untersee kommen? Und wenn ja: welche zeitlichen Vorstellungen sind realistisch?
Wie sagte einst Hermann Hesse: „Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden“. Spätestens wenn ich in Rente gehe, würde ich gerne mit dem Bielefelder Marine-Regatta-Verein auf dem Untersee segeln können.


Bielefeld, im November 2012

Monika Kammeier
(1. Vorsitzende)

 

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